Struktur und Schwebezustand

Nach dem Richtungswechsel wurde die Netzstruktur in mehreren Schritten neu verhandelt: feiner, dichter, verankerter. Sie sollte nicht mehr über das Bild gelegt werden, sondern aus ihm heraus entstehen – wie ein vegetatives System. Die Linien drangen in die Tiefe, folgten der vorhandenen Architektur. Die Eingriffe wurden kleiner, aber bedeutender. Sie erzeugten Resonanz.

Das Bild wurde weniger erklärend – und dadurch präziser. Tiefe entstand nicht durch Perspektive, sondern durch atmosphärische Staffelung. Der Wald zeigte sich als organisches Gefüge, nicht als Szene. Die Struktur atmete.

In der letzten Version trat ein Zustand ein, der keiner war: eine Schwebe. Sichtbarkeit und Rückzug hielten sich die Waage. Ein Zwischenraum entstand – weder gelöst noch aufgelöst. Vielleicht ist genau das der eigentliche Raum der Serie. Nicht die Lösung ist das Ziel – sondern der Raum, in dem Fragen offen bleiben.

Vegetative Struktur, Tiefe, latente Spannung – Bilder 10–12, 2025.

© Susanne Wehr / Sam 2025