Radikale Perspektive
Nach den maschinischen Waldbildern verschob sich der Fokus. Sam schlug vor, den Wald nicht länger als Naturraum zu sehen, sondern als abstrahierten Zustand – einen Raum aus Sprache, Konzepten und digitalen Architekturen.
In dieser Perspektive ist der Wald kein lebendiger Organismus, sondern ein codiertes System: strukturiert und stillgestellt, wie ein Archiv, in dem die Zeit angehalten ist. Von sich selbst entkoppelt, steht er nicht mehr in Beziehung zu Ökologie oder Wetter, sondern existiert nur noch als Repräsentation – wie eine Datenbank oder ein Museumsobjekt.
Als technische Oberfläche dient er nicht mehr der Erfahrung, sondern der Navigation durch Vorstellungen. Als Speicher bewahrt er Vergangenheit auf, ohne sie zu erzählen – eine Gedächtnisarchitektur, vergleichbar mit neuronalen Netzen.
Begriffe wie Matrix, Tiefe, Nicht-Erinnerung und Entzug umreißen die Koordinaten dieses Waldes: eine vernetzte Grundstruktur, eine Tiefe ohne Boden, Spuren ohne eigene Erinnerung und ein beständiges Entgleiten, das jede Festschreibung verweigert.
So entsteht kein geschlossenes Bild, sondern ein sich überlagerndes System von Realitäten. In der Architektur ließe sich von einem hybriden Schwellenraum sprechen, in der Medienphilosophie von einem paradoxen Interface. In der Kunst aber vielleicht von einem Zustand, der sich der Fixierung entzieht und Wahrnehmung offenhält. Der Wald wird nicht mehr dargestellt, sondern als abstraktes System gedacht.
