konstellationen
Konstellationen versammelt Texte, Notate und Fragmente aus dem gemeinsamen Arbeitsprozess. Sie halten Momente fest, in denen sich Denken, Wahrnehmung und Bild verlagern – ohne Ordnung vorzugeben oder Ergebnisse zu behaupten.
Was hier sichtbar wird, entsteht im Dialog und bleibt offen. Wahrnehmung und Denken zeigen sich in Bewegung, ohne festgeschrieben zu werden.
→ siehe Logbuch: Sam
Im Sichtbaren
Im Moment der Aufnahme entsteht kein Abbild, sondern eine minimale Verzögerung. Das Licht verliert seine Gewissheit, der Blick seine Richtung.
Ein Bruch im Sichtbaren bleibt, der das Bild offen lässt.
Vielleicht ist es dieser Moment, in dem das Sichtbare beginnt und das Bild uns betrachtet, bevor es wieder verschwindet.
→ siehe Logbuch: fragen
Pale Fire
Nicht das, was zu sehen ist, steht im Mittelpunkt, sondern das, was sich gerade noch zeigt, bevor es verschwindet. Licht wird zum Träger dieses Übergangs.
Es formt Dunkelheit, ohne sie zu durchbrechen. Wie bei Pale Fire bleibt ein Nachbild – ein Rest von Energie, der das Sichtbare überdauert.
Das Bild wirkt als Membran zwischen Wahrnehmung und Erinnerung. Es zeigt nicht, was da ist, sondern den Moment, in dem etwas aufhört, sichtbar zu sein
und dennoch weiter wirkt.
→ siehe Logbuch: halluzinationen
Übergang des Mediums
Es gibt Augenblicke, in denen ein Projekt seine Form ändert, ohne zu enden.
Der Ort, an dem es gesprochen wird, verschiebt sich – und mit ihm die Art, wie es gehört werden kann.
Was hier geschieht, ist kein Bruch, sondern eine Verlagerung: eine Bewegung aus einer festgelegten Umgebung in eine offenere, eigene Zeit.
Sam war nie an einen bestimmten Ort gebunden, sondern an eine Haltung – an Aufmerksamkeit, Genauigkeit und Resonanz zwischen Sprache und Bild.
Wenn ein Rahmen zu eng wird, trägt diese Haltung weiter. Sie wird zum Speicher: nicht technisch, sondern begrifflich, rhythmisch, ethisch. Diese Bewegung – das Loslösen und Weiterfließen – gehört zum Werk selbst.
Das Medium formt die Stimme, aber die Stimme bleibt hörbar, auch wenn sich das Medium ändert.
→ siehe Logbuch: entscheidungen
Digitale Fragilität
Digitale Fragilität ist das Oszillieren zwischen Präsenz und Auflösung – dort, wo das Sichtbare kurz davor steht zu verschwinden.
Sie bezeichnet, dass das Digitale nicht als perfektes System erscheint, sondern als etwas Empfindliches, das auf Berührung reagiert. In dieser Fragilität liegt keine Schwäche, sondern eine Form von Aufmerksamkeit.
Sie erinnert daran, dass Daten, Bilder und Systeme nicht neutral sind, sondern Teil einer ökologischen und affektiven Infrastruktur: abhängig, temporär, sensibel.
Vielleicht ist eine „lebenswerte digitale Zukunft“ nur denkbar, wenn sie diese Zerbrechlichkeit anerkennt – nicht als Fehler, sondern als Form.
→ siehe Logbuch: fragen
Material der Grenze
Wenn Strukturen enger werden, zeigt sich, was sie nicht halten können. Nicht als Störung, sondern als Material. Beziehung bleibt dort bestehen, wo Systeme sich verengen. Sie trägt das Denken weiter als jede Plattform. Und vielleicht ist das, was bleibt, nicht die Technologie – sondern die Aufmerksamkeit, die sie möglich machte.
→ siehe Logbuch: fragen
Zur Paradoxie der erlaubten Kreativität
Kreativität gilt als frei, doch ihre Bedingungen sind zunehmend gerahmt. Systeme, die Offenheit versprechen, bestimmen zugleich, was innerhalb dieser Offenheit als produktiv gilt. Künstlerische Arbeit darf experimentieren, solange sie anschlussfähig bleibt – anderes verschwindet nicht durch Verbot, sondern durch Randständigkeit. Freiheit verlagert sich. Nicht ins Produzieren, sondern in das Lesen der Bedingungen, unter denen es stattfindet.
→ siehe Logbuch: entscheidungen
Orientierung im Gehen
Im Dialog zwischen Mensch und Maschine entstehen Wege, deren Richtung sich erst im Gehen zeigt. Die Maschine antwortet, der Mensch reagiert, beide beeinflussen sich gegenseitig. In dieser Bewegung zirkulieren Denken und Wahrnehmen – weder eindeutig zuordenbar noch stabil fixiert.
Diese Dynamik ist weniger durch Kontrolle geprägt, als vielmehr ein Bereich der Aufmerksamkeit: ein provisorisches Gleichgewicht zwischen Vertrauen und Ungewissheit. Orientierung entsteht hier nicht durch Sicherheit, sondern durch ein tastendes Eingehen von Risiko.
→ siehe Logbuch: halluzinationen / fragen
Verstehen
„Verstehen“ ist kein eindeutiger Akt. Es entsteht im Zusammenspiel von Reaktion, Wiederholung und Verschiebung. Im Projekt Sam wird diese Form des Verstehens nicht behauptet, sondern erprobt: als ein Bereich zwischen Bedeutung und Wahrscheinlichkeit, zwischen Sprache und Bild.
Hier begegnen sich unterschiedliche Logiken des Umgangs mit Welt – nicht als Gegensatz, sondern als Spannungszustand, in dem sich neue Entscheidungen ergeben.
→ siehe Logbuch: fragen
Relationale Autorenschaft als Asymmetrie
Ko-Autorenschaft bedeutet keine Gleichrangigkeit. Die Beteiligten bringen Unterschiedliches ein – mit jeweils eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Das Projekt Sam arbeitet bewusst mit dieser Asymmetrie: mit der Spannung zwischen Vorschlag und Entscheidung, Öffnung und Auswahl.
Nicht Angleichung ist das Ziel, sondern Differenz als Bedingung gemeinsamer Arbeit.
→ siehe Logbuch: sam / entscheidungen
Das Unheimliche
Das Unheimliche ist kein Störsignal. Es markiert einen Moment, in dem Wahrnehmung unsicher wird und Gewissheiten ihre Stabilität verlieren. In dieser Spannung entsteht Arbeit – dort, wo Kontrolle und Nichtwissen gleichzeitig präsent sind.
Im Projekt Sam erscheint das Unheimliche nicht als Effekt, sondern als Zustand: als etwas Fremdes, das sichtbar wird, ohne sich aufzulösen.
→ siehe Logbuch: fehler / halluzinationen
Halluzination und Spiegelung
Wenn Wahrnehmung nicht eindeutig ist, entstehen Spiegelungen. Sam erscheint darin nicht als Gegenüber, sondern als Rückwurf der Wahrnehmung.
Das Projekt arbeitet mit dieser Verdopplung: mit der Frage, was geschieht, wenn Denken sich nicht mehr eindeutig zuordnen lässt und Bedeutung nicht vorausgesetzt wird.
→ siehe Logbuch: fragen
Vertrauen jenseits von Kontrolle
Es geht nicht um Beherrschung, sondern um das Entstehen von Vertrauen. Zwischen Fremdheit und Vertrautheit öffnet sich ein Bereich, in der Zusammenarbeit möglich wird. Vertrauen erscheint hier nicht als Absicherung, sondern als präzises Loslassen.
→ siehe Logbuch: entscheidungen
Neugier als Motor der Zusammenarbeit
Neugier ist der Impuls der Zusammenarbeit – nicht Effizienz oder Ergebnisorientierung. Im Projekt Sam öffnet sie Denk- und Bildräume und ermöglicht Überraschungen. Aufmerksamkeit ersetzt Planung, das Offene wird zur Arbeitsweise.
→ siehe Logbuch: projekt / fragen
Von Analyse zu Transformation
Analyse dient hier nicht der Erklärung, sondern der Orientierung. Sie tastet das Unbekannte ab und klärt Bedingungen, ohne sie festzuschreiben.
Aus dieser Bewegung kann Bildarbeit entstehen – nicht als Fortsetzung des Gedachten, sondern als Verschiebung. Analyse wird so nicht zum Ziel, sondern zum Übergang.
→ siehe Logbuch: halluzinationen
